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Tischgespräch mit Michael Merkentrup, Chef von CRD International

von Holger M. Jacobs - FVW Ausgabe 09/19 

 

Auszüge aus dem Artikel der Ausgabe 09/19 der Fachzeitschrift FVW in der Kategorie "Tischgespäche": 

 

Eigentlich soll es runter an die Elbe gehen bei dem herrlichen Frühlingswetter. Aber wir quatschen uns fest, gemütlich in den Ledersofas versinkend, die vor MichaelMerkentrups Büro im Stilwerk stehen. Im sechsten Stock des hippenHamburger Designkaufhauses sitzt seit vier Jahren CRD International; zum 40-jährigen Bestehen erfolgte derUmzug aus dem Fleethof in City-Lage. „Wir brauchten mehr Platz“, sagt Merkentrup, nippt am Cappuccino und fügt hinzu: „Es geht um Work-Life-Balance – wir wollten was Cooles an der Elbe. Wir gehen hier nicht zur Arbeit, wir leben hier.“

„Wir“, das sind der Endfünfziger und seine beiden Partner bei CRD: seine Frau Kerstin und sein Schulfreund Lars Mußehl. Auch die 30 Mitarbeiter genießen die Lage,mittags geht’s mit demLiegestuhl an die Elbe.Wemdas zu hedonistisch oder prätentiös klingt: Für das Stilwerk sprechen auch handfeste Gründe. „Wir haben alles in Fußdistanz, etwa diverse Locations für Kundenevents mit unseren Destinationspartnern.“ Und ein hochwertiges, designaffines Publikum, das auch schon mal an die Nordamerika-Spezialisten weiterempfohlen wird. „Wir sehen uns als Reisedesigner“, schmunzelt Merkentrup, „das passt doch gut.“

Modisch-lässig sitzt er da, blaues Sakko, weißes Hemd, helle Hose, Designerbrille, hinter sich ein Original von Steve Kaufman, die er wie andere Pop-Art-Künstler wie Andy Warhol, James Rizzi und Charles Fazzino liebt und sammelt. Dass das nicht gar zu gediegen wirkt, liegt an anderen Accessoires im Raum: ein schwarzer Boxsack („Stammt noch vom Marketing-Team, das hier arbeitete“), ein als Garderobe dienender Baumstamm, immer wieder Fotomotive aus Nordamerika. Und damit ist man schon viel näher dran an dem naturverbundenen Holsteiner. Er schwärmt nicht von Luxuslimousinen, sondern von Treckern und Quads, statt Golfen nennt er Fischen und Jagen als Hobbys.

 

Michael Merkentrup

Geschäftsführer Michael Merkentrup (rechts im Bild) im neuen Büro im stilwerk Hamburg

 

Und – jetzt wird es speziell! – Forstwirtschaft: Die Merkentrups bewirtschaften in der Nähe ihres Hauses in Lütjensee östlich von Hamburg ihren eigenen Wald. Auch die beiden Töchter waren von Kindesbeinen an dabei, wenn es galt, Anpflanzungen in Ordnung zu halten, Bäume zu gießen oder zu beschneiden. Der See, der Wald, „das erinnert einen an Kanada“, lacht der CRD-Chef, der vor dem Haus sogar kalifornische Mammutbäume („Die gedeihen prächtig!“) gepflanzt hat.

Familie und Ahornland, das sind die beiden Konstanten in seinem Leben. Michaels Vater Peter Merkentrup, in Hamburg im Vertrieb für die Ford Motor Company tätig, wanderte 1973 mit der Familie nach Vancouver aus – und folgte derEmpfehlung seiner Automobilkollegen, es mit der Vermietung von Wohnmobilen in Kanada zu versuchen. Zurück in Deutschland, gründete er mit seiner Frau in einem Kellerbüro in Todendorf Canada Reise Dienst,weitete1983 das Programmauf die USA aus. Sohn Michael stieg erst nach dem BWL-Studium ein, holte eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann nach.

CRD entwickelte sich weiter, testete eine Dependance in München („Hat keinen Spaß gemacht“) und das Zielgebiet Australien („Rechnet sich nicht“). Im Jahr 2000 übernahm der Sohn die Geschäftsführung, zog mit demTeam vomplatten Land ins Hamburger Zentrum. Weitere Meilensteine: moderne Website,Kooperation mit Tchibo Reisen, Umstellung von Preis- auf Imagekataloge, Online-Camperpreisvergleich, Eintritt in die AER-Kooperation, über deren Reisebüro-System Axalot der Vertrieb läuft.Wachstum?„Wir hatten nie eine Wachstumsagenda, wir sind einfach Fans dieses Produkts“, sagt Merkentrup.

Die Privatinsel "Rendezvous Island" in British Columbia, seit Ende der 70er Refugium der Familie, wurde zwar verkauft, doch geht es noch mehrmals im Jahr nach Kanada, bevorzugt nach Vancouver Island, um die Seele baumeln zu lassen: „Auf dem Pferderücken oder auf einem Boot, angeln, Bären und Wale beobachten abseits von touristischen Gefilden“, das ist das Programm. „Mit guter Logistik die Natur erleben, wo sonst keiner hinkommt, das ist für mich Luxus.“ Das sehen viele Individualkunden genauso, die „das ganze Jahr hart arbeiten und dann den perfektenmaßgeschneiderten Urlaub abseits der Touristenströme wollen“. So könne man sich als Spezialist gegen OTA und Airbnb behaupten, glaubt Merkentrup. Aber nur, wenn man sich permanent weiterentwickle. Da ist er in seinem Element: „Still sitzen geht gar nicht, ich will immer was bewegen.“ Da könne es auch mal vorkommen, dass er seine Mitarbeiter mit einer spontanen Idee nerve, räumt er ein. „Aber es macht viel Spaß, gemeinsam etwas umzusetzen in Teams von altgedienten und jungen Mitarbeitern.“ Wie in einer Familie eben.

 

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